Par Marie Bossan

02-11-2026

Ein Name, der zunächst für Verwirrung sorgt

Hollywin ist kein Preis und keine Software, sondern der Arbeitstitel eines Kurzfilmprojekts, das an einer Wiener Mittelschule aus einer Notlage entstand. Als im Frühjahr eine für sechs Wochen geplante Medienwoche ausfiel, blieben 14 Schüler:innen, zwei geliehene Kameras und ein unfertiges Drehbuch übrig. Statt das Material einzulagern, entschied das Team, einen eigenen Film zu produzieren – unter dem Arbeitstitel Hollywin, der aus Hollywood und Gewinnen zusammengesetzt war und schnell zum internen Markenzeichen wurde. Das Budget lag bei 120 Euro, die vor allem in Speicherkarten, Verpflegung und Requisiten flossen.

Warum das Projekt ins Stocken geriet

Die erste Fassung von Hollywin scheiterte nicht an fehlender Technik, sondern an unklaren Zuständigkeiten. Alle wollten schneiden, niemand wollte Ton machen; drei Drehtage endeten mit 40 Minuten unbrauchbarem Material. Die Ursache lag im offenen Projektformat: Es gab keine festen Rollen, keinen Abgabetermin für Zwischenstände und keine gemeinsame Entscheidungsregel. Das Problem war damit strukturell, nicht kreativ. Besonders kostspielig war der fehlende Ton: Zwei Szenen mussten später komplett neu gedreht werden, weil Windgeräusche die Dialoge unbrauchbar machten.

Die Wende durch drei feste Rollen

Das Team teilte die Produktion in Regie, Technik und Produktion. Jede Rolle erhielt eine schriftliche Entscheidungsbefugnis: Die Regie bestimmte die Szene, die Technik den Aufnahmeort, die Produktion den Zeitplan. Ein wöchentlicher Review mit einer Regel – erst zeigen, dann kritisieren – senkte die Nachdrehquote von 60 auf 15 Prozent. Hollywin wurde dadurch nicht perfekt, aber fertig. Zusätzlich legte das Team fest, dass Entscheidungen nach zehn Minuten Diskussion fallen; diese Regel verhinderte zwei drohende Endlosschleifen beim Schnitt.

Der dreistufige Produktionsplan als Lösung

  1. Vorproduktion: Ein Storyboard mit maximal zwölf Einstellungen und ein Ton-test am Originalschauplatz.
  2. Dreh: Höchstens drei Takes pro Einstellung, danach Entscheidung im Team.
  3. Nachbereitung: Grobschnitt am selben Tag, Feinschnitt erst nach einer Nacht Pause.

Diese Struktur ließ sich auf weitere Gruppen übertragen. Wie Schulen solche Medienprojekte dokumentieren, zeigt auch die Seite der NMS Brüsslgasse: https://nmsbruesslgasse.at/. Entscheidend ist weniger die Ausrüstung als die sichtbare Verantwortung für jeden Arbeitsschritt. Der Plan half auch beim Zeitmanagement: Aus ursprünglich sechs Wochen wurden elf Arbeitstage, weil Dreh und Grobschnitt nicht mehr parallel liefen.

Was Schüler:innen aus Hollywin mitnehmen

Am Ende stand ein sechsminütiger Film, aber der eigentliche Ertrag lag in der Rückmeldung: Neun von 14 Beteiligten nannten in der Abschlussrunde nicht den Schnitt, sondern die Rollenklärung als wichtigsten Lernerfolg. Hollywin wurde damit zu einem Beispiel dafür, wie Medienbildung funktioniert, wenn sie an einem konkreten Produkt hängt. Die Gruppe plante bereits eine zweite Fassung – diesmal mit festem Tonteam, einem Puffer von zwei Tagen und einer öffentlichen Vorführung vor 80 Zuschauer:innen im Schulhof.

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